250 Besucher verfolgen das Training der beiden DFB-Jugendtrainer mit der D-Jugend der FSG Wettenberg. Kleine Felder und viele Ballkontakte stehen im Mittelpunkt.
Gegen 19 Uhr setzt sich die Karawane in Bewegung, von der Eduard-David-Halle die knapp 400 Meter hoch zum Rasenplatz am Seeküppel. Gut 250 Fußballer, Vereinsfunktionäre, Trainer und Jugendtrainer marschieren den beiden DFB-Jugendtrainern Hannes Wolf und Hanno Balitsch hinterher. Dem kurzweiligen und interessanten theoretischen Part in der Mehrzweckhalle folgt der praktische auf dem Platz. Dort spielt sich die D-Jugend der gastgebenden FSG Wettenberg bereits warm, während der ehemalige Bundesliga-Trainer des VfB Stuttgart sowie des Hamburger SV (Wolf) und der ehemalige Bundesliga-Spieler des u.a. 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und Hannover 96 (Balitsch) die Turn- gegen die Fußballschuhe eintauschen.
Auf dem Rasenplatz stehen derweil bereits drei Minifelder bereit: Zwei Felder mit je zwei Funino- und einem Kleinfeldtor (4 gegen 3 mit einem Torhüter) sowie ein kleineres Feld mit Torstangen als Begrenzung (3 gegen 3). Und Cheftrainer Hannes Wolf macht sofort deutlich, was ihm an diesem frühen Abend wichtig ist. „Ihr habt eine Minute Zeit, euch einzuteilen. Los geht’s!“ Und zählt herunter: 60, 59, 58. Zeit ist ja immer Geld, so sagt man vielerorts. Zeit ist in Krofdorf-Gleiberg aber vor allem eins: Fußball – und zwar so viel wie möglich. Jede Sekunde, jede Minute, die vergeht, ohne dass der Ball rollt – und jeder, der einmal beim Kinderfußball war, der weiß, dass viel zu viel davon für Nebensächliches draufgeht – ist verlorene Zeit. Kaum ist die Minute um, wird die erste Übung kurz und prägnant erklärt und schon rollt das runde Leder im Sinne der Trainingsphilosophie der beiden 45-Jährigen.
Kurzer Sprung zurück in die Eduard-David-Halle. Dort erklärt Hannes Wolf die gemeinsame Vorstellung, wie die Basics während eines Trainings aussehen können. Kleine Felder, zeitlich kurze Blöcke, achtmal drei, vier oder fünf Minuten, dafür intensiv mit viel Bewegung, vielen Ballkontakten, viel Rotieren. Immer im Blick: „Die ganzheitliche Entwicklung von allen Spielerinnen und Spielern.“ Ein Satz, der von Hannes Wolf das eine oder andere Mal an diesem Abend genutzt wird. Und auch sein Mitstreiter Hanno Balitsch bläst – zurück an der frischen Luft auf dem Rasen – in dieses Horn: „Balltraining ist das tägliche Brot, die absolute Basis. Umso wichtiger wäre eine tägliche Schulsportstunde.“ Technik sei freilich auch wichtig, ergänzt Wolf. Der gebürtige Bochumer meint, in 15 Minuten seien etwa 1200 Ballkontakte möglich. Aber: „Technik ist nicht so wichtig wie das Spiel.“
Gespielt wird viel in den verschiedenen Übungen, nach wenigen Augenblicken kommt immer eine besondere Schwierigkeit hinzu: Zunächst sind nur noch zwei Rückwärtspässe erlaubt, dann nur noch einer, irgendwann muss ein direkter Torabschluss erfolgen, dann innerhalb eines achtsekündigen Zeitfensters, zum Abschluss kommt das Abseits hinzu. In der nächsten Übung ist das Umschaltspiel gefragt: Erzielt das Team, das auf die Funino-Tore spielt, einen Treffer, ist es nun das angreifende Team auf das vom Keeper gehütete Kleinfeldtor. So soll einerseits der Kopf trainiert werden, sich schnell auf die neue Spielsituation einzustellen, andererseits „wird so aus einem Linksverteidiger von jetzt auf gleich der Rechtsaußen“, erklärt Hanno Balitsch diese Übung.
Ein solcher Positionswechsel ist den Trainern wichtig, „denn ganzheitlich heißt auch, positionsunabhängig zu spielen, bis sich irgendwann eine feste Position herauskristallisiert“, so Wolf, der das am Beispiel eines Stürmers festmacht. Dieser habe, erklärt der Trainer der U20-Nationalmannschaft, im Durchschnitt nur 30 Ballkontakte pro Stunde. In einer positionsunabhängigen Übung werde der Angreifer aber viel mehr ins Spiel eingebunden. Ziel ist es, dass jedes Kind, jeder Spieler und jede Spielerin so oft es geht den Ball hat. Übungen in großen Gruppen lehnen Hanno Balitsch und Hannes Wolf ab. Die Gefahr, jemanden dabei auszuschließen oder nicht so oft den Ball zu geben, sei zu groß.
Die beiden DFB-Coaches fordern während ihres etwa 90-minütigen Programms viel von den etwa 25 Kindern der FSG Wettenberg, geben in immer neuen Übungen immer wieder neue Anweisungen, und: Sie loben viel, lassen viel laufen, „frieren“ die Situation nicht ein, um einen misslungenen Spielzug zu besprechen (Balitsch: „Das bringt nichts, die Kinder lernen viel mehr durch das Spielen statt durch derartiges Nachstellen“), negative Kritik gibt es nicht – stattdessen bei einem misslungenen Schussversuch höchsten mal einen flapsigen Spruch.
Zum Abschluss dürfen sich die Wettenberger Kinder über kleine Präsentbeutel freuen. Und natürlich über eine Trainingssession mit zwei DFB-Nachwuchstrainern, die sie noch längere Zeit in Erinnerung behalten werden.
Text: Gießener Anzeiger; Fotos: Dieter Nuber














