Im Rahmen der Hessenpokalfinaltages der Frauen und Juniorinnen im Marburger Georg-Gassmann-Stadion (Leopold-Lucas-Straße 46b) veranstaltet der Hessische Fußball-Verband (HFV) in Zusammenarbeit mit der Schulfußballtour des DFB eine Fortbildung für Lehrkräfte, AG-Übungsleiter*innen des schulischen Ganztags und interessierten Vereinstrainer*innen.
Themenschwerpunkt ist die Schule des Kleinfeldfußballs. Der ehemalige Borussia-Dortmund-Trainer und jetzige DFB-Direktor für Nachwuchs, Training und Entwicklung, Hannes Wolf, schwärmt: „Das 3 gegen 3 ist kein Zaubermittel, aber es ist die beste Möglichkeit für Kinder, Sport zu treiben. Wir brauchen ein gutes Sportangebot in unserer Gesellschaft, das ist ein wichtiger Teil des Großwerdens. Einfachheit ist dabei an Schulen der Schlüssel, vor allem in der Organisation, damit die Umsetzung leicht möglich ist. Die Kinder müssen mehr spielen, wir Erwachsenen weniger reden.“
Warum ist das die beste Möglichkeit? Hannes Wolf erklärt dies im Kurzinterview.
Was ist charakteristisch für die Schule des Kleinfeldfußballs?
Im 3-gegen-3 findet der Fußball ganzheitlich und hochdosiert statt. Fähigkeiten in allen Spielphasen sind gefordert und werden damit gefördert: Offensive, Defensive, Umschaltspiel – alles ist dabei. Alle Kinder haben in kurzer Zeit viele Fußballaktionen, entsprechend intensiv ist das Spiel. Der Fokus in der Begleitung sollte auf der Wertevermittlung liegen. Die Freude am Fußball, am Sport, muss immer im Zentrum stehen. Die Schule des Kleinfeldfußballs fördert zusätzlich weitere wichtige Eigenschaften wie Teamfähigkeit, Konfliktlösungskompetenz oder Frustrationstoleranz.
Welche weiteren Mehrwerte sehen Sie?
Einer der Kernpunkte ist, dass wir beim Kleinfeldfußball die Möglichkeit haben, die Kinder auf ihrem Niveau spielen zu lassen. Kinder werden nicht überfordert, sie haben Erfolgserlebnisse und damit viel mehr Spaß. Jungen und Mädchen, die sonst keinen Sport treiben, haben so die Chance auf echte Partizipation, auf einen Zugang zum (Ball-)Sport. Das gilt genauso umgekehrt. Dadurch, dass sich die Kinder in homogenen Gruppen finden, unterfordern wir die talentierten Vereinsspieler an den Schulen nicht mehr. Sie bekommen die Möglichkeit, sich zu beweisen und im Rahmen des Schulsports zu entwickeln.
Werden andere Sportarten damit nicht aus dem Wettbewerb verdrängt?
Das Gegenteil ist richtig. Wir wünschen uns auch Felder, in denen etwa Handball oder Basketball gespielt wird. Diese unterschiedlichen Bewegungserfahrungen sind für die motorische Entwicklung unserer Kinder essenziell. Der Vorteil dieser Konzeption ist, dass der Aufbau simpel ist und für die Integration anderer Sportarten kein oder nur minimaler Umbauaufwand erforderlich ist. Wir haben so die Möglichkeit, ein vielfältiges Angebot zu schaffen, in dem sich jedes Kind austesten, austoben und seinen eigenen Stil entwickeln kann.
Auch der langjährige Bundesligatrainer des SC Freiburg, Christian Streich, begeistert sich für diese Form des Fußballs: „Wenn man aus dem 11 gegen 11 auf dem ganzen Fußballfeld Teile entnimmt, ist es immer ein 3 gegen 3, 2 gegen 3, 4 gegen 3. Das ist der pure Fußball, das ist das, was Spaß macht. So haben wir es auch früher schon immer gespielt. Wir hatten immer den Ball, wir waren immer in Zweikämpfen, wir konnten immer ein Tor schießen. Früher war das nach der Schule. Da sich die Situation mit der Ganztagsschule so geändert hat, ist das eine super Idee, das in der Schule durchzuführen.“
Die Teilnahme an der Veranstaltung in Marburg ist kostenfrei und bietet allen Interessierten einen Einblick zu kleinen Spielformaten, die mithilfe von einfachen Organisationsformen im Sportunterricht und im schulischen Ganztag umgesetzt werden können. Die Veranstaltung ist darüber hinaus von der Lehrkräfteakademie offiziell akkreditiert. Ansprechpartner ist HFV-Referent Johannes Hofmann. Zu detaillierten Informationen und zur Anmeldung geht es hier.
Text: DFB / HFV, Foto: DFB


